Elektriker installiert einen Stromzähler (Smart Meter), diese sind wichtiger Bestandteil von Smart Grids

Smart-Grid-Technologie

Das A-Z der Stromzähler: Geschichte, Varianten und Zukunft

18. Juli 2024

Stromzähler sind die unsichtbaren Wächter unseres Energieverbrauchs und ermöglichen es Verbrauchern und Energieversorgern, den Stromverbrauch genau zu erfassen und zu überwachen. Diese kleinen, aber wichtigen Geräte sind nicht nur für erforderlich für eine korrekte Stromrechnung. Sie tragen auch dazu bei, ein besseres Verständnis für unseren Energieverbrauch zu entwickeln und Möglichkeiten zur Einsparung und Effizienzsteigerung zu identifizieren.

Die Geschichte der Stromzähler

1881: Stromverbrauchsmessung durch Abwiegen

Edison-Zähler

Die Geschichte des Stromzählers beginnt im Jahr 1881. Thomas Alva Edison, der berühmte Erfinder der Glühlampe, entwickelte den ersten „brauchbaren“ Stromzähler. Sein „elektrolytischer Zähler“, auch Edisonzähler genannt, bestand aus einem Gefäß mit einer Lösung aus Zink-Sulfat. Durch den Stromfluss schied sich Zink an einer der Elektroden ab. Durch Wiegen der Elektrode konnte man die geflossene Strommenge bestimmen.

Foto: Tuxtrainer, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Eine spätere Variante des Edisonzählers war der sogenannte „STIA-Zähler“ (siehe Abbildung, STIA für „Schott Jena“). Dieser Quecksilberelektrolytzähler wurde ebenfalls 1881 von Edison entwickelt und ab 1883 als weltweit erster Elektrizitätszähler eingesetzt.

Induktionszähler: Der Ferraris-Zähler mit sich drehender Scheibe war lange ein Erfolgsmodell

1889 entwickelte der Italiener Galileo Ferraris den ersten Induktionszähler, auch bekannt als Ferraris-Zähler, der die Basis für die analogen Stromzähler des 20. Jahrhunderts bildete. Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Drehstromzähler auf den Markt, die nach dem Ferraris-Prinzip arbeiteten. Dabei erzeugt der Stromfluss ein magnetisches Drehfeld, das eine Aluminiumscheibe in Rotation versetzt. Die Umdrehungen der Scheibe werden von einem Zählwerk erfasst. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren elektromechanische Energiezähler mit rotierender Scheibe der Standard. Sie wurden immer präziser und zuverlässiger. Schon früh gab es auch Zähler mit Münzeinwurf oder Vorauszahlung, bei denen man erst eine bestimmte Summe entrichten musste, bevor der Strom floss.

Elektronische Stromzähler und der Weg zum Smart Meter

Elektronische Elektrizitätszähler enthalten keine mechanisch bewegten Teile. Der Stromfluss wird wahlweise mit Sensoren erfasst und anschließend über Analog-Digital-Wandler und weitere elektronische Schaltungen weiterverarbeitet. Das Ergebnis wird auf einer alphanumerischen Anzeige (meist Flüssigkristallanzeige, LCD) dargestellt.

Allerdings sind digitale Stromzähler mit Display keine „Smart Meter“. Das wird manchmal verwechselt. Der Unterschied: Simple digitale Stromzähler können nicht mit dem Netzbetreiber kommunizieren, sondern allenfalls über lokale Schnittstellen ausgelesen werden.

Smart Meters: In den Smart Grid eingebundene Stromzähler

Heute stehen wir an der Schwelle zum intelligenten Stromnetz (Smart Grid). Moderne elektronische Zähler (Smart Meter) können nicht nur den Verbrauch messen, sondern auch mit dem Energieversorger kommunizieren. So lassen sich Verbrauchsspitzen erkennen und die Einspeisung erneuerbarer Energien besser steuern. Auch ein variabler Stromtarif je nach Tageszeit und Netzauslastung wird so möglich.

Die Geschichte des Stromzählers ist also eine Geschichte der stetigen technischen Verbesserung und Anpassung an neue Anforderungen. Vom einfachen elektrolytischen Zähler Edisons bis zum vernetzten Smart Meter war es ein langer Weg. Und die Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. In Zukunft werden Stromzähler noch stärker mit unserer digitalen Welt verschmelzen und ein wichtiger Baustein der Energiewende sein.

Das Elektrizitätszählerkabinett der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig

Das Elektrizitätszählerkabinett ist das größte öffentlich zugängliche Stromzähler-Museum der Welt. Es zeigt die Entwicklungsgeschichte der Elektrizitätsmesstechnik anhand einer umfangreichen Sammlung historischer Stromzähler. Die Exponate reichen von den Anfängen der Zählertechnik bis zu modernen Smart Metern. Ursprünglich wurde die Ausstellung 1926 als Zählerausstellung der Münchener Elektrizitätswerke gegründet. Von 1981 bis 2001 wurde sie als Zählermuseum der Stadtwerke München betrieben, kuratiert von Bauoberrat a.D. Rolf Döderlein. Dieser katalogisierte und beschrieb mehrere hundert Exponate. Seit 2001 ist die Sammlung Teil der PTB in Braunschweig. Auf rund 200 Quadratmetern präsentiert sie Exponate, die weltweit einzigartig in Umfang und Qualität sind.

Fragen und Antworten rund um den Stromzähler

Wie funktionieren analoge Stromzähler?

Analoge Stromzähler, auch als elektromechanische Zähler bezeichnet, waren über viele Jahrzehnte hinweg die gängige Lösung für die Messung des Stromverbrauchs in Haushalten und Unternehmen. Diese traditionelle Technologie basiert auf einem einfachen, aber robusten Prinzip: Ein Zählwerk, das von einem Elektromotor angetrieben wird, registriert den Stromfluss und zeigt den kumulierten Verbrauch auf einem Zifferblatt an.

Der Aufbau eines analogen Stromzählers ist relativ einfach. Er besteht aus einem Gehäuse, in dem sich das Zählwerk, der Elektromotor und die Stromwandler befinden. Der Elektromotor wird durch den fließenden Strom angetrieben und überträgt seine Bewegung auf das Zählwerk, das den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh) anzeigt. Durch die Verwendung von Zahnrädern und Hebeln ist das Zählwerk sehr präzise und zuverlässig.

Trotz ihrer Einfachheit haben analoge Stromzähler durchaus Vorteile. Sie sind robust, langlebig und benötigen nur wenig Wartung. Außerdem sind sie relativ kostengünstig in der Anschaffung und Ablesung. Allerdings haben sie auch einige Nachteile: Sie bieten keine Möglichkeit zur Fernablesung oder Verbrauchsanalyse, und die Ablesung muss manuell vor Ort erfolgen.

Viele Verbraucher schätzen die Verlässlichkeit und Beständigkeit der analogen Stromzähler-Technologie. Dennoch haben die modernen digitalen und intelligenten Zähler in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen und die traditionellen Modelle in vielen Bereichen abgelöst. Analoge Stromzähler finden sich heute vor allem noch in älteren Gebäuden und Haushalten, wo sie ihre Aufgabe zuverlässig erfüllen.

Wie funktionieren digitale Stromzähler?

Digitale Stromzähler haben die Technologie der Verbrauchsmessung in den letzten Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt. Sie basieren auf elektronischen Sensoren, die den Stromfluss erfassen und in digitale Signale umwandeln. Ein Mikrocontroller verarbeitet und speichert diese Daten. Dadurch messen digitale Zähler den Verbrauch präziser und in kürzeren Intervallen als analoge Modelle. Es gibt zwei Arten von digitalen Stromzählern:

Moderne Messeinrichtungen: Diese digitalen Zähler erfassen den Verbrauch elektronisch, senden aber keine Daten. Sie zeigen den Zählerstand auf einem Display an und speichern ihn für 24 Monate. Moderne Messeinrichtungen sind kompakter, wartungsärmer und langlebiger als analoge Zähler.

Intelligente Messsysteme (Smart Meter): Sie bestehen aus einer modernen Messeinrichtung und einem Kommunikationsmodul (Smart-Meter-Gateway). Dieses ermöglicht die Fernablesung der Verbrauchsdaten und deren Übertragung an den Energieversorger. Smart Meter bieten zusätzliche Funktionen wie detaillierte Verbrauchsprofile und die Überwachung von Spannungs- und Leistungsschwankungen. Diese Informationen helfen, den Energieverbrauch zu optimieren und Einsparpotenziale zu identifizieren.

Während moderne Messeinrichtungen den Verbrauch nur erfassen und anzeigen, ermöglichen intelligente Messsysteme eine Kommunikation zwischen Zähler und Energieversorger. Beide Varianten tragen mit ihrer höheren Genauigkeit und Effizienz dazu bei, den Energieverbrauch besser zu verstehen und zu optimieren.

Wie funktionieren Smart Meter?

Die jüngste Entwicklung im Bereich der Stromzähler-Technologie sind die sogenannten  Smart Meter, nicht zu verwecheln mit der „Intelligenten Messeinrichtung“. Smart Meter stellen eine weitere Evolutionsstufe der digitalen Stromzähler dar und bieten eine Reihe zusätzlicher Funktionen, die eine effizientere Energieversorgung und -nutzung ermöglichen.

Das Herzstück eines Smart Meters ist ein leistungsfähiger Mikrocontroller, der nicht nur den Stromverbrauch misst, sondern auch eine Vielzahl anderer Daten erfasst und verarbeitet. Dazu gehören Informationen zur Netzspannung, Leistungsaufnahme, Verbrauchsprofile und sogar Wetterdaten. Diese Daten können dann über eine Kommunikationsschnittstelle (z.B. WLAN, RF-Mesh oder Mobilfunk) an den Energieversorger übertragen werden. Die herkömmliche Zählerablösung entfällt.

Für Verbraucher bieten diese Stromzähler zahlreiche Vorteile. Sie können ihren Energieverbrauch in Echtzeit verfolgen und so ihr Verbrauchsverhalten optimieren. Darüber hinaus ermöglichen Smart Meter eine präzisere Abrechnung und Erkennung von Verbrauchsspitzen oder Störungen im Stromnetz. Auch die Fernablesung und Fernsteuerung des Zählers sind mit dieser Technologie möglich.

Für Energieversorger eröffnen Smart Meter neue Möglichkeiten zur Optimierung des Stromnetzes. Durch die Echtzeitüberwachung und -steuerung können sie Lastspitzen abfedern, Ausfälle frühzeitig erkennen und die Energieverteilung insgesamt effizienter gestalten. Langfristig können Smart Meter auch den Einsatz erneuerbarer Energien und dezentraler Stromerzeugung fördern.
Die Einführung von Smart Metern ist in vielen Ländern bereits weit fortgeschritten oder sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Diese Technologie ist Schlüsselfaktor für den Übergang zu einem intelligenten, nachhaltigen Energiesystem der Zukunft. Intelligente Stromzähler werden daher in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Rolle bei der Überwachung und Steuerung unseres Energieverbrauchs spielen.